Der Tod macht keine Unterschiede

Halli-Hallo

Heute gibt es schon wieder etwas Neues und zwar eine kleine Kurzgeschichte von mir. Wir mussten welche im Rahmen des Deutschunterrichts schreiben und das ist bei mir rausgekommen. Ich hoffe sie gefällt euch und ich würde mich mega über Feedback zu der Geschichte freuen. Und nein, ich bin nicht depressiv, aber die Geschichte spukte einfach in meinem Kopf herum.

Eure 
Emelie




Der Tod macht keine Unterschiede

Josh, 16 Jahre

Tod. Sterben. Zu Ende gehen. Krepieren. Alles verschiedene Worte, die alle dasselbe bedeuten, dass man bald nicht mehr da sein wird. Und das ist ne ganz vermaledeite Scheiße.

Aber warum denkt ein 16-jähriger über so was nach, denkt man sich vielleicht. Weil bei mir verdammter Krebs diagnostiziert wurde. Und nein, nicht die leckere Art, die man gerne isst, sondern die, die dich zerstört und danach umbringt.

Stellt dir vor, du wachst eines Morgens auf und hast einfach nur starken Husten und gehst deswegen zum Arzt. Da denkt man sich ja nichts dabei. Eins, zwei Tablettchen, 3 Tage schulfrei, was nicht die schlechteste Option ist und dann geht’s wieder. Aber was ist, wenn das nicht passiert und du stattdessen zum Spezialisten musst? 3 Stunden, dann 10 Minuten röntgen, dann noch 2 Tage auf die Ergebnisse warten und dann kommt der Schock.

Krebs in der gesamten Lunge und den Atemwegen, eine seltene Art, wahrscheinlich erblich bedingt, unheimlich aggressiv, unheilbar, Endstadium. Sie probieren nix mehr und sagen dir, dass man seine letzten Wochen noch genießen soll, da sie nicht sagen können, wie viele es davon noch geben wird.

Zumindest muss ich nicht durch irgendwelche nervigen Chemos, von denen einem andauernd schlecht wird und einem die Haare ausfallen. Ach was rede ich hier, natürlich würde ich ne Chemo machen, wenn es ginge, wenn noch Hoffnung bestünde, doch die gibt es für mich nicht mehr.

Irgendwie passt es in mein Leben, von den Eltern einfach im Stich gelassen worden, einfach weggegeben, ohne Brief, ohne Liebe, ohne alles, wahrscheinlich mit der Anlage für diesen Krebs. Warum muss es so kommen? Was habe ich falsch gemacht? Warum wieder ich?

Vielleicht hab ich’s auch verdient, war kein besonders guter Mensch, Schüler, Freund. Ich hab viele Chancen nicht genutzt, hab vieles vermasselt und oftmals das Falsche gesagt und getan, aber das wirkt jetzt alles irgendwie unwichtig und irgendwie weit weg. Warum ich hab nicht noch mal ne Chance? Warum muss es so enden? Warum ich?

Wie geht es weiter? Was passiert, wenn ich nicht mehr da bin? Wann werde ich vergessen sein? Viele unternehmen noch Weltreisen oder erledigen ihre 10 Dinge „Dinge, die ich erlebt haben möchte, bevor ich sterbe“. Aber so was habe ich nicht. Hab ja nie gedacht, dass es so früh zu Ende sein könnte. Warum muss es für mich so sein? Warum ich?

Ist jetzt ne Woche her, dass ich die Nachricht erhalten hab und der Schock sitzt immer noch tief, aber eigentlich habe ich es jetzt akzeptiert. Ich kann ja eh nix mehr dran ändern. Im Heim hab ich mich vorgestern von allen verabschiedet und ihnen, auch wenn es oft nicht schön war, Danke gesagt und sogar Blumen hinterlassen. Aber natürlich eingetopfte und keine abgeschnittenen, denn geschnittene hätten die Vergänglichkeit des Lebens und damit den Tod nur noch deutlicher hervorgehoben. Ich habe nämlich mal in einem Buch über den Hinduismus gelesen, dass abgeschnittene Blumen nur als Opfergabe an die Götter gebracht werden, da sie für die Menschen den Tod symbolisieren. Freunden oder Verwandten werden nur Blumen oder Pflanzen, die noch Wurzeln haben mitgebracht, da diese für die Erhaltung des Lebens stehen. Eigentlich sind das ziemlich schöne Gedanken oder nicht? 

Zu meinen Freunden, wenn man diese als solche bezeichnen kann, hab ich auch schon „Tschüss“ gesagt, jedoch glauben sie jetzt, dass ich lediglich in eine andere Stadt ziehe. Ich sagte nicht „Auf Wiedersehen“, weil „Auf Wiedersehen“ bedeutet, wegzugehen und wegzugehen, bedeutet zu vergessen. Das brachte mir Peter Pan bei und das möchte ich nicht. Wer hätte gedacht, dass mein Lesen mal für was gut sein würde. Aber egal wie blöd meine Freunde manchmal waren, ich wollte sie nicht mit dem Gedanken von meinem Tod belasten.

Wer weiß, vielleicht sehe ich sie ja im nächsten Leben wieder. Wenn ich an die Blumen-Geschichte glaube, warum sollte ich mich dann nicht mal am Kreis der Wiedergeburt versuchen. Wisst ihr was, ich mag die Idee und den Gedanken. Denn wie Dumbledore bereits sagte, ist der Tod für den gut vorbereiteten Geist nur das nächste große Abenteuer. Also auf zum nächsten Abenteuer.

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